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Bangalore: Die ersten Tage
by clawfish on Mai 20, 2007 in Allgemein, Indien with Keine KommentareBangalore die nächsten Tage
Um uns an Indien zu gewöhnen, beschließen wir es sehr ruhig angehen zu lassen. Wir erkunden Bangalore ein wenig und planen die Weiterreise.
Dabei erleben wir eine Menge interessanter Anekdötchen. Auf einer unserer Erkundungstouren bestellen wir gegrillten Hähnchensalat. Dieser besteht zu unserer Überraschung wirklich überwiegend aus Hähnchen. Zwischen die Geflügelstücke haben sich zwar auch ein paar Tomaten-, Paprika- und Zwiebelstücke verirrt, aber hauptsächlich ist es Hähnchen. Da es zu dem noch richtig scharf ist, darf ich den „Salat“ alleine essen. Später erfahren wir, dass das indische Verständnis von Salat sehr seltsam ist. Ein Salat besteht normalerweise immer überwiegend oder ausschließlich aus der namensgebenen Komponente. Einzige Ausnahme Grüner oder gemischter Salat. Hierbei handelt es sich um Gurken, Tomaten, Zwiebel und Karotten in beliebiger Kombination. Ein Dressing ist meist nicht Fällen vorhanden.
Bangalore ist eine recht westliche 5 Mio. Stadt. Da die Oberklasse Inder versuchen ihren Traum von Luxus und westlichen Standard zu leben, gibt es viele Möglichkeiten wegzugehen. Das Preisniveau kann hier oftmals mit deutschen Bars und Diskotheken mithalten. So kostet ein Bier auch um die 2 Euro. Dafür gibt es meist ein recht ansprechendes, loungiges Ambiente. Eine Partybremse ist allerdings ein Gesetzt, welches Bars und Club nur Öffnungszeiten bis 23.30 Uhr erlaubt. Wenn man sich gerade warm geschunkelt hat (zu indischer Trance-Mukke), geht die Musik aus und das Licht an. Meist gehen deshalb die Partys danach im Robertsonhaus weiter. Stilecht mit „Superjack“, dem billigsten indischen Rum. Ein Geschmack zum Ausnüchtern.
Bei einem der Barbesuche treffen wir Jost aus Meerbusch. Tja, die Welt ist klein.
Wie bereits berichtet, ging kurz vor dem Abschluss Kiddys Brille zu Bruch. Um diese kitten zu lassen reichte die Zeit in Deutschland nicht mehr. Indien gilt aber als billiges Land für gute Brillen. Diesen Ruf wollen wir deshalb testen und fragen nach Preisen für Brillenreparaturen. Der erste Optiker hat gute Konditionen, sagt aber, dass man in Indien keine extradünngeschliffenen Gläser mit hohen Dioptriewerten bekommt. Der Zweite sagt es sei kein Problem, nahezu identische Gläser in 5 Tagen zu besorgen. Allerdings lieg sein Preis bei 100 Euro pro Glas. Also durchaus deutsches Niveau.
Eine Millionenstadt hatte ich mir größer und unübersichtlicher vorgestellt. In Bangalore kann man in manchen Teilen vergessen, dass man in einer riesen Stadt ist. Allerdings kann man sich trotzdem super verirren. Alles ist etwas chaotisch und der Stadtplan vom Touristenbüro ist allenfalls eine ganz grobe Übersichtskarte. Das erfahren wir auf unserer Suche nach den botanischen Gärten. Wir verlaufen uns total. Anstatt eine südliche Richtung einzuschlagen befinden wir uns plötzlich weit östlich von unserem Ausgangspunkt. Immerhin landen wir in einem anderen Park. Und hier beginnt das Abendteuer als Weiße in Indien richtig. Wir hatten ja schon vom indischen Interesse an Weißen gelesen, aber darauf vorbereitet waren wir wohl doch nicht ganz.
Im Park kommt plötzlich ein Inder mit seiner Familie auf uns zu. Er spricht kein Englisch und winkt nur mit seiner Kamera. Klar mache ich ein Foto von euch, denke ich und will ihm die Kamera wegnehmen. Doch er hält dagegen. Mit ein paar Gesten „erklärt“ er uns, dass er ein Foto von uns und seiner Familie machen will. Na gut, bestes Grinsen aufgesetzt und mit der Familie um die Wette gestrahlt. Was macht man nicht im Sinne der Völkerverständigung.
Von dieser Aktion ermutigt, kommen zwei weitere Inder auf und zu. Der Eine zückt Zettel und Stift und bittet doch tatsächlich um ein Autogramm. Ha, endlich jemand, der uns erkennt, lach.
Bei unseren Erkundigungen am Busbahnhof treffen wir auf eine superfreundliche Auskunftsdame, die ihre Pflichten sehr ernst nimmt. Auf unser Dankeschön antwortet sie in ihrem lustigen Englisch: „Das ist unsere Pflicht.“ Echt ein super Service. Auch in den nächsten Tagen freute sie sich uns zu sehen und zu helfen.
Aber überhaupt hatten wir mit dem Buchen von Verkehrsmitteln in Bangalore kaum Stress. Das Zugticket für die Weiterreise in den Süden war entgegen der Warnungen im Reiseführer ohne große Schlange bequem am Touristenschalter zu buchen. Die Dame dort war auch sehr hilfsbereit.
Ansonsten gibt es zu Bangalore nicht mehr viel zu sagen außer das Kiddy zweimal umzog. Zunächst wurde ein Zimmer in der Nähe des Robertsonhaus frei. Diese war zwar deutlich näher (5 Gehminuten) aber auch extrem laut. Auf Grund des nächtlichen Lärms und der scharrenden Tiere in der Matratze bekam Kiddy wenig Schlaf in dieser Nacht. Zum Glück konnte sie die letzte Nacht ein Stockwerk höher ziehen. Die Mädels dort hatten wir auf einer Party kennen gelernt und sie fuhren übers Wochenende weg. Das Zimmer war leiser und sauberer. So konnte Kiddy in der Nacht vor der Weiterreise gut schlafen.
Exkurs: Erster Eindruck Indien
by clawfish on Mai 12, 2007 in Allgemein, Indien with Keine KommentareIndien ist wie Trinidad. Gleiches Klima, scharfes Essen, ähnliches Straßenbild, Verkehrschaos, viele Inder. Allerdings ist alles etwas größer und anstatt von Hühnern oder Hunden bevölkern Kühe die Straßen. Und das Leben von Fußgängern ist nichts wert.
Zwar hatte ich mir die Situation lebensgefährlicher vorgestellt, aber niemand bremst wie in Trinidad für Fußgänger. Nein, Fußgänger sind das schwächste Glied. Es gibt ja schließlich genug. Ebenso wie billige Arbeitskräfte.
Auf vielen Baustellen werden keine Maschinen eingesetzt. Es ist billiger Leute einzustellen, die von Hand die Straße aufreißen oder Steine in den vierten Stock schleppen. Anstelle von einer Maschine stellt man eben 5 Leute ein und das Haus wächst in einem normalen Tempo. Ist schon beeindruckend, wenn auch sehr komisch.
Ein weiterer ungewohnter Anblick im Straßenbild sind die stark qualmenden Autorikshwas. Dies sind laut knatternde Dreiräder, mit Platz für den Fahrer vorn und 3 Fahrgäste dahinter (Ausführlichere Beschreibung folgt später). Was nicht heißt, dass auch mal acht Leute damit befördert werden. Sie ersetzen zu großen Teilen Taxis. Theoretisch verfügt jeder Rickshaw über eine Art Taximeter, welches den Fahrpreis in Relation zur Entfernung vermittelt. In Bangalore ist die Benutzung eines Taximeters Pflicht.
Die meisten Rikshwa-wallah (wallah = Dienstleister) versuchen aber zu einem überteuerten Festpreis zu fahren. Sie behaupten der Meter ist kaputt oder es gibt tausend andere Gründe. Aber auch wer einen Fahrer erwischt, der seinen Meter benutzt, ist nicht vor „angenehmen“ Überraschungen gefeit. Oft sind die Meter manipuliert und zählen etwas „seltsam“. Die Differenz kann leicht 10-20 Prozent vom Fahrpreis betragen. Oder sie versuchen „kleine“ Umwege zu fahren, was bei Ortsunkundigen auch meist klappt. Stellt man sie zur Rede, bekommt man zu hören, dass Bangalore aus vielen Einbahnstraßen besteht. Haha. Die Behauptung Rikshaw-wallah seien Abzocker ist aus eigener Erfahrung kein Vorurteil. Die ehrlichen 5% sucht man meist vergebens.
Das auffälligste an Indien sind aber der Lärm und der Müll. Inder hupen in einem fort. Jedes Auto, jedes Motorrad und der kleinste Roller sind mit einer lauten Hupe ausgestattet. Diese muss natürlich alle 2 Meter für den Notfall getestet werden. Gehupt wird zu jedem Anlass oder einfach auf Grund der Tatsache, dass es keinen Grund gibt. Fahrradfahrer und Rickshaw-wallahs unterstützen dieses Konzert meist noch mit Klingeln bzw. Summern.
In Sachen Müll sind Inder ein Phänomen. Meist wirkt es so, als versuchen sie den Jahres-Müll einer mittelgroßen Kleinstadt in einer Straße zu lagern. Alles wird an Ort und Stelle fallen gelassen. In ordentlichen Straßen gibt es im Abstand von 5 Metern schnellwachsende Müllhalden. Diese Müllhaufen sind ein willkommender Futternapf für hungrige Kühe.
Der Erste Tag
by clawfish on Mai 10, 2007 in Allgemein, Indien with Keine KommentareBangalore der 1. Tag
Deniz holt uns ab. Auf den ersten Blick kann man schon sagen, er ist super nett. Er besorgt ein Taxi und nimmt uns mit zu seinem Wohnheim. Dort sitzen wir ein wenig rum und pennen für 20 Minuten.
Später fährt er mit uns und dem Vermieter zu den Wohnheimen. Männlein und Weiblein werden hier strikt getrennt. Das andere Jungenwohnheim ist aber voll, daher beschließe ich zu Deniz ins Robertsonhaus zu ziehen. Es gibt da noch eine ungenutzte Matratze. Kiddy bekommt ein Haus 30 Minuten entfernt von uns. Na Toll!!!!!! Echt praktisch. Aber ist ja nicht für lang. Bescheuerter ist, dass ich noch nicht mal einen Fuß über die Schwelle setzten darf. Wenn die wüssten, dass ich da eine Nacht gepennt habe, lach.
Danach fahren wir mit Deniz zur MG Road, dem Haupteinkaufsgebiet von Bangalore. Da tauschen wir Geld und gehen richtig nobel essen. Für drei Personen zahlen wir 14 Euro, inklusive Getränken und Trinkgeld. Mein Hühnchenspieß ist sau lecker. Kiddys Gericht ist auch super, für sie aber schon fast zu scharf. Der Service ist edel. Getränke werden selbstverständlich eingeschenkt, sobald das Glas leer ist kommt jemand, der es wieder füllt. Nach dem Essen gibt es ein Schälchen mit warmen Wasser und Zitronenscheiben. Sieht aus wie ein Erfrischungsdrink, ist aber zum Hände säubern. Interessant.
Abends lerne ich die Vorzüge meines Wohnheims schätzen. Es gibt unter anderem Internet und W-Lan. Das wirklich Gute an dem Haus ist aber, das es multikulturell ist. Da es von Praktikanten bewohnt wird, gibt es Leute aus vielen verschiedenen Ländern. Wir haben Ungarn, Mexikaner, Nigerianer, etc. Auf meinem Zimmer gibt es vier Nationalitäten: Deniz (Türkei), Gary (Hongkong), Tomo (Japan) und mich. Allerdings gibt es auch auffällig viel Holländer. Mit sechs Mann stellen sie die Übermacht. Ich komme mir vor wie im Campingurlaub an der Mosel. Naja, auch Holländer gehen mit der Zeit und verpfänden den Wohnwagen eben für einen Praktikumsplatz in Indien.
Anreise
by clawfish on Mai 10, 2007 in Allgemein, Indien with Keine KommentareDer Taxidienst zum Flughafen inklusive kleiner Rundfahrt ist perfekt (danke Thomas) und wir stehen schon vor neun Uhr am Check-Inn. Außer den freundlichen Damen hinter dem Schalter ist niemand da und so haben wir bereits fünf Minuten später alles geregelt. Mehr Probleme hat Hermi, der ne ganze Weile nach einem Parkplatz sucht, aber schlussendlich gelingt es doch. Mit Hermi vergeht die Zeit bis zum Boarding recht fix und wir müssen uns fast schon beeilen im „duty-free Shop“ noch ein Gastgeschenk für Deniz (unserem türkischen Kontaktmann in Indien) zu bekommen.
Der Trip nach London vergeht dank Zeitung und ausgeteiltem Studentenfutter wie im Flug. In London müssen wir ca. 20 Minuten warten, bis uns ein Bus am Flugzeug abholt. Dafür können wir beobachten wie sorgfältig die starken Männer unser Gepäck auf die Gepäckwagen werfen. Naja, immerhin ist es schon mal in London angekommen. Dann beginnt der Abenteuerspaziergang von einem Gate zum anderen. Der Flughafen London Heathrow ist riesig. Ich habe eher das Gefühl in einer Stadt zu sein. Der „duty-free Bereich“ erinnert stark ans CentrO in Oberhausen. Aber der Reihe nach. Dank der Pläne (den gab es beim Check-Inn in Düsseldorf) wissen wir und die mitreisende Konkurrenz in welche Richtung wir drängeln müssen.
Nach einem kurzen Pinkelstopp gilt es die erste Hürde zu nehmen: die Handgepäckkontrolle. Anders als in Düsseldorf ist plötzlich nur noch ein Handgepäckstück pro Passagier erlaubt und selbst die Kameratasche zählt in dieser Wertung. Also heißt es alle Sachen in die unsere Jacken- und Hosentaschen sowie in die mitgebrachte Plastiktüte zu stopfen. Aber das gelingt Kiddy recht problemlos. Allerdings verlieren wir natürlich Zeit auf mitreisende Konkurrenz. Doch die machen wir am nächsten Hindernis mehr als wett. Beim Sicherheitscheck (mit Schuhe ausziehen, echt ekelig für den Beamten, grins) lotst uns ein netter Sicherheitsmann nämlich in den Schnellabfertigungsschalter für die Passagiere der 1. Klasse. Warum wissen wir nicht, da die Schlangen an den anderen Kontrollpunkten aber endlos lang waren, sind wir natürlich sehr froh. Hierdurch erarbeiten wir uns einen enormen Vorsprung vor den anderen Teilnehmern des Wettlaufs und wir sitzen als erste im Bus.
Auf dem weiteren Weg laufen wir zu nächst durch den CentrO-ähnlichen duty free Bereich und gleiten gemütlich auf Laufbändern an schönen Bildern vorbei. Alles in allem beträgt der Weg bestimmt einige Kilometer und laut Plan soll er ca. 75 Minuten dauern. Das ist aber dann doch etwas übertrieben, obwohl je nachdem wie lange man am Sicherheitscheck wartet…..
Im Wartebereich vor dem Gate treffen wir dann auf erste indische Familien. Und es ist so richtig klischeehaft: Frauen in Saris mit Punkten auf der Stirn, kleine Männer mit Schnurrbärten, etc. Außerdem stehen hier einige Mädels in unserem Alter, die garantiert als Praktikanten nach Bangalore wollen.
An Bord sind wir sehr vom Komfort überrascht. Jeder Sitz hat seinen eigenen kleinen Monitor, es gibt Filme und Computerspiele während des Flugs. Zudem gibt es ein Paket mit Kopfhörern, Schlafbrille, Zahnputzzeug und warmen Socken. Und dann das Essen: Die Zusammenstellung des Abendessen lässt kaum Wünsche offen. Allerdings ist Kiddys vegetarisches Essen laktosefrei, so dass es kein Dressing für den Salat gibt und auch der Schokoriegel fehlt bei ihr (Haha).
Da das Flugzeug nur zu ca. einem Drittel besetzt ist, hat fast jeder Passagier Platz es sich auf drei Sitzen zum Schlafen bequem zu machen. Und wir bekommen tatsächlich ein wenig Schlaf. Kurz vor dem Frühstück bieten sich herrliche Aussichten auf die Lichter indischer Großstädte. Das Ganze ähnelnd einem Blick an den Himmel. Beim Frühstück hat Kiddy dann die Nase vorn. Nicht nur, dass sie es wieder als erste bekommt, nein mein Frühstück ist typisch englisch. Mit in Fett schwimmendem Spiegelei, Schinken und Würstchen. Dafür bekomme ich einen Jogurt.
Kurz darauf setzen wir zur Landung an. Es ist echt beeindruckend wie schnell die Temperatur zunimmt. Von -1° zu Beginn des Landeanflugs steigt sie auf 23° wenige Meter über dem Boden. Und das um 3.30 Uhr morgens. Die Hitze hat uns wieder.
Nach der Landung geht es dann etwas langsamer voran. Zwar bekommen wir am Einwanderungsschalter problemlos den Stempel in den Pass, doch das Gepäck lässt ewig auf sich warten. Dafür können wir Inder beobachten. Und uns wundern was, die indischen Mitreisenden so alles mitgebracht. Drei Schrankkoffer pro Person sind der Durchschnitt.
Mit unserem Gepäck machen wir uns auf den Weg zur Ankunftshalle. Hier warten wir, durch eine offene Glastür, von der geifernden Meute der Taxifahrer getrennt auf Deniz (Danke Janina, der Tipp war gut).
Von T&T nach Indien
by clawfish on Mai 6, 2007 in Allgemein, Indien, Trinidad & Tobago with Keine KommentareAbschied
Nach einem arbeitsreichen April stand ein schwerer Abschied an. Wie hart es werden würde zeichnete sich schon in den Wochen zuvor ab. Als sich bei Kiddy und bei mir auf der Arbeit die Feststellungen häuften: „Ach beim nächsten Projekt bist du gar nicht mehr da.“
Ein weiterer Wehmutstropfen war der Abschieds-Lime in unserer Wohnung. Mit deutsch-trinischen Köstlichkeiten und Drinks verbrachten wir einen netten Abend in unserer Wohnung und am bzw. im Pool. Dabei spielten wir Weihnachtsmänner und verschenkten Klamotten, die nicht mehr in die Koffer passten. Nachdem die Condor ihrer Gepäckregelung zu unseren Ungunsten geändert hatte (Freigepäck nur noch 20 statt 46 Kilo pro Person), mussten wir nämlich eine Menge Gewicht einsparen. Aber was soll es, es war auch eine gute Gelegenheit eine Menge Schrott auszusortieren.
Richtig hart wurde aber die letzte Arbeitswoche. Die Leute von Rape Crisis organisierten für Kiddy eine Überraschungszusammenkunft, auf der Kiddy ihr Abschiedsgeschenk, ein Kochbuch mit mehren tausend karibischen Rezepten erhielt. Nette Widmungen im Buch sorgten für totale Rührung.
Bei E-Zone ging es zwar gewohnt wuselig zu, in der nächsten Woche stand ein Videodreh an und ich musste auch noch die letzten Änderungen am Magazin vornehmen, aber trotzdem war auch bei mir der Abschied greifbar. Denn eins der wichtigsten Projekte war die große Abschiedsparty, die freitags für Kiddy und für mich starten sollte, Trinidad typisch wurde alles sehr kurzfristig organisiert.
Trotzdem wurde es eine sau-geile Party. Von den 150 geladenen Gästen kamen die wichtigsten 70, so dass wir mit unseren besten Freunden und bekannten einen riesigen Trini-Lime hatte. Natürlich gab es Pelau, Shake’n’Bake und viel zu trinken. Dazu Musik, Winen und Spaß bis in die Nacht. Irgendwann konnten wir den DJ überreden, unsere Musik zu spielen und so erklang plötzlich deutsche Karnevalsmusik. Tatsächlich waren einige Trinis verrückt genug, mit uns eine Polonaise zu starten. Sau lustig.
Am nächsten Tag stand neben Kofferpacken ein Hauseinweihungs-Lime bei einer Freundin auf dem Programm. Der Abend wurde sehr witzig. Und die heiß-umkämpfte Tabupartie zeigte, wie gut unser English doch mittlerweile geworden war. Doch dann kam der wirklich harte Teil des Abends. Leston und Ryssa setzten uns zu Hause ab und es hieß Abschied nehmen. Ganz schön hart zu wissen, dass man Freunde zurücklässt, die man so schnell nicht wieder sehen wird. Ich hatte klitze-kleine Tränen in den Augen. Aber vielleicht kommt uns Ryssa im September besuchen.
Sonntags stand dann die nächste Abschiedsrunde an, doch der Reihe nach. Zunächst musste ich morgens noch zur Druckerei um die Proofs für das neue Magazin freizuzeichnen, im Anschluss lud Lisa Kiddy, Laura (unsere Editorin) und mich zum Frühstück ein. Wir gingen in ein super nettes, gemütliches Restaurant ein. Bei blauem Himmel und heißen Temperaturen saßen wir im Schatten und aßen und rund. Aber das Essen war auch echt lecker. Abends stand dann der Geburtstags-Lime von Sophie an. Mit typischen tobegonischem Saltfish und Drinks. Im Anschluss daran folgten dann die Abschiede von meinen und Kiddys besten Freunden. BUHUHU.
Am nächsten Morgen holte uns die Luxuslimousine pünktlich um halb neuen ab, um uns am Hafen abzusetzen. Von dort aus ging es mit der Fähre nach Tobago, denn bevor wir Richtung Deutschland aufbrachen, stand noch eine Woche Strandurlaub auf Tobago an. Zu unserer Freude schaffte es Lisa quasi in letzte Minute noch zum Hafen um uns Good-Bye zu winken.
Tobago
Im Hope Cottage wurden wir mit der gewohnten Freundlichkeit empfangen und wir bekamen wieder unser Stammzimmer. (Schön geräumig ohne Sandra, grins.) Auf Tobago ließen wir es uns dann so richtig gut gehen. Am zweiten Tag stand eine Stranderkundungstour an. Mit Kerry unserem Fahrer fuhren wir die verschiedenen Strände an um unseren Traumstrand für die nächsten Tage zu finden. Und es klappte, denn anders als beim ersten Abstecher überzeugte uns die Englishman’s Bay diese Mal. Das Meer war ruhig und es gab hinter einer Klippe in der hintersten Ecke noch einen absolut ruhigen Traumstrand. Die nächsten zwei Tage ließen wir es uns hier dann so richtig gut gehen: Lesen, sonnen und im Meer plantschen.
Aber wie immer hielt Tobago natürlich auch noch neue Abenteuer für uns bereit. So zum Beispiel frische Mangos, direkt aus dem Garten des Guesthouses, und Cashew. Den meisten dürften Cashew-Nüsse bekannt sein. Was wir und die meisten, denen wir davon berichteten, nicht wussten, ist, dass es sich bei Cashew um eine Frucht handelt. Die Nuss ist nur ein winzig kleines Anhängsel. Die Frucht an sich ist sehr komisch. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben und ein Biss in die Frucht trocknet den Mund aus. Trotz schmeckt sie nach einer Gewöhnungsphase sehr gut.
Freitags traf Sharon dann noch zu einem Kurzurlaub auf Tobago ein und überraschte mich mit einem Präsent von E-Zone. Neben einer Praktikumsbescheinigung und einer Urkunde, gab es eine gravierte Uhr als Andenken. Ich war sehr gerührt. Die Uhr werde ich natürlich in Trini-Zeit schlagen lassen, um relaxt zu bleiben.
Natürlich mussten wir unser Wiedersehen mit Sharon mit einigen Bierchen feiern.
Das Wochenende bis zum Flug verlief sehr entspannt und gemütlich. Sonntags morgens ließ ich mir noch mal meine „Cornrolls“ (meine Trini-Frisur) auffrischen und dann ging es zum Flughafen. Von dort riefen wir Sharon an und sie verabschiedete uns gebührend. Sehr lustig war, dass sie unseren Anruf unter der Dusche erhalten hatte und sich deshalb nur in ein Tuch gehüllt auf den Weg machte. Die Blicke der anderen Touristen waren Gold wert, lach. Aber ohne ein bisschen Stress ging das Einchecken natürlich nicht ab. Denn typisch Deutsch drängelten sich auch alle Urlauber schon vor dem Schalter und unsere Tickets lagen nicht vor. Da wir aber auf der Flugliste standen durften wir doch an Bord.
An Bord war es sehr komisch von fremden Menschen auf Deutsch angesprochen zu werden. Wir hatten uns schon zu sehr ans Englisch gewöhnt. Dafür hatten wir das Glück, dass wir auf dem Flug zur „Isla Maguarita“ (dem Zwischenstopp in Venezuela) einen Fensterplatz eroberten. So hatten wir noch einige schöne Blicke auf das geliebte Tobago.
Die „Isla Maguarita“ ist meinem Empfinden nach ein recht trostloser, öder Flecken Erde. Gut, dass wir sie nur von oben sehen mussten. Nach drei langen Stunden auf dem Flughafen ging es endlich weiter.
Abenteuer Deutschland
Mit 30-minütigem Vorsprung begann unser Deutschland Marathon. Einige wenige Tage standen an, um Familie und Freunde zu sehen, sowie die Vorbereitung für unseren Indien-Aufenthalt zu treffen. Es versprach sehr stressig zu werden.
Doch zu nächst verlief alles nach Plan. Meine Eltern warteten schon am Flughafen und auch die indische Botschaft erreichten wir rechtzeitig genug, um unsere Visa-Anträge abzugeben. Während für Kiddy der Stress dann schon gleich nachmittags mit einer Hochzeit so richtig losging, nahm ich mir zwei Tage Auszeit.
Doch dann ging es auch für mich los. Freunde treffen, Hochzeit in der Familie, Impfen lassen und Einkaufen. Und immer noch kein Visum in Sicht. Wir hatten schon Samstag und es hätte freitags spätestens da sein sollen. (Erstes Omen?) Zudem schrottete Kiddy an diesem Abend noch ihr Auto. (Zweites Omen?)
Ein Anruf am Montag zeigte, dass es erst nachmittags versendet werden sollte. Sehr eng, wenn der Flug mittwochs morgens geht. Also hieß es einen Kurier organisieren. Nachdem das in trockenen Tüchern war, mussten wir nach Düsseldorf Rucksäcke kaufen. Tja, auch schwieriger als gedacht. Also verschoben wir den Kauf auf Dienstag um die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Abends ging dann zu allem Unglück noch Kiddys Brillenglas zu Bruch. (Drittes Omen?) Wir sagten uns wenn morgen der Rucksack-Laden abbrennt, buchen wir um und fliegen etwas später.
Dienstags mussten wir dann sowohl die Rucksäcke besorgen (der Laden war nicht abgebrannt), als auch die letzten Besorgungen machen. Aber es klappte alles recht reibungslos. Und so konnten wir uns in das Indien-Abenteuer stürzen.