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Projektbesuch
by clawfish on August 26, 2011 in Allgemein, Eritrea with Keine KommentareBevor wir uns auf den Weg ins Projektgebiet machen, treffen wir uns noch mit dem zuständigen Gouverneur im Nachbar-Hotel. Er dankt uns für die gute Zusammenarbeit und lässt ein wenig Hoffnung für weitere Projekte aufkommen.
Dann düsen wir nach Mendefera. Unterwegs sehen wir zahlreiche Radrennfahrer. (Eritrea ist ein radbegeistertes Land. Die Nationalmannschaft ist afrikaweit Zweiter. Ein Fahrer hat gerade einen Vertrag bei einem australischen Radstall unterzeichnet und be den olympischen Spielen in London hat Eritrea einen Startplatz. Auch im Stadtbild sieht man zahlreiche Menschen, die mit Rädern unterwegs sind. Das Spektrum reicht dabei von alten verosteten Drahteseln, die fast historisch sind, bis hin zu sehr technischen Mountainbikes und Rennmaschinen.
Außerdem sehen wir auf der Fahrt grüne Landschaften, die derzeitige Regenzeit scheint gut zu arbeiten. Das führt auch dazu, dass das Staubecken unseres Mikrodamms zu etwa 5/6 gefüllt ist. Begeistert sind wir auch vom Trinkwassersystem. Die solarbetriebene Pumpe befüllt die Hochbehälter in den Dörfern Adi Itay und Abi Adi zuverlässig. In beiden Dörfern drängen sich die Kinder, um uns Weiße zu bestaunen, dann rennen sie nach “Mai, Mai (Wasser, Wasser)” rufend nach hause und holen ihre Familien zur Zapfstelle. Diese kommen zahlreich, denn aufgrund unseres Besuchs gibt es das Wasser heute kostenlos, sonst werden 20 Liter für 2,5 Eurocent verkauft, um Geld für etwaige Wartungskosten zu sammeln. Am Hochbehälter in Adi Itay klettere ich hinauf, um einen Blick ins Tal werfen zu können. Ein Abstecher zum Bewässerungsbrunnen zeigt, dass dort noch die letzen kleinen Arbeiten im Gang sind. Aber die Bewässerung der Felder funktioniert schon, wir sehen auch die ersten Pflänzchen sprießen.
Im Anschluss werden wir von den Dorfvorstehern von Adi Itay zum Essen eingeladen. Es gibt Engeera (etwas säuerliche Teigfladen), eine fleischhaltige, sehr würzige Soße und Popcorn. Dazu werden Tee und KAFFEE gereicht (für alle die es noch nicht wissen, ich hasse Kaffee). Dieser schmeckt aber seltsamerweise fast, wahrscheinlich wirken das Ingweraroma und viel Zucker Wunder. Der Tee ist – ganz ohne Ironie – sehr gut.
Auf dem Rückweg stoppen wir noch mal um irgendwo essen zu gehen, dabei war die Portion im Dorf schon schön groß. Aber durch die Schärfe des lokalen Essens kann man große Mengen davon in sich hineinfüllen. Und wieder ist das Essen sehr gut, auch wenn es sich bei einer Soße um gehäckselte Innereien handelt.
Eine lustige Begebenheit hält der Tag noch bereit. Wir sehen einen Geländewagen, der wohl mal König Döner in Somborn gehört hat, jedenfalls trägt er einen entsprechenden Aufdruck. Dies ist gar nicht so ungewöhnlich man sieht häufiger Autos, die noch die Beschriftungen ihrer bisherigen “Lebensstationen” aufweisen. Vielleicht ist König Döner aber auch ein Visionär und versucht schon mal, sich die eritreische Zielgruppe zu sichern.
Der erste Tag
by clawfish on August 23, 2011 in Allgemein, Eritrea with Keine KommentareNach einem Frühstück mit allem (wobei alles Tomaten, Zwiebel und Pepperoni meint, hm), geht es in Büro zu Vision Eritrea. Dort werden wir mit einer Präsentation über den aktuellen Stand des Projekts informiert. Anschließend geht es zum Essen ins Castello. Der Fisch ist gut, die scharfe Soße und das Brot vorab sind sogar noch besser. Nachmittags haben wir dann einen Termin mit dem deutschen Botschafter. Dieser scheint Langeweile zu haben (er darf tatsächlich selbst kaum in Eritrea reisen und muss immer in Asmara sitzen). Auf jeden Fall nimmt er sich viel Zeit für uns. Wir dürfen den Stand unseres Projekts schildern, dann erzählt er uns noch etwas über die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation in Eritrea. Laut ihm gibt es keine Hungersnot, aber Unterernährung in einigen Landesteilen, zudem beschreibt er das Regime ganz eindeutig als Diktatur, die Gegenstimmen im Gefängnis verstummen lasst. Apropos stumm, ich schlafe während des Termins ein. Ob es an der Höhe liegt, wie der Botschafter helfend erklärt? Asmara liegt immerhin auf 2300 Metern. Oder vielleicht ist es doch die hypnotische blaue Krawatte mit dem Kirsch-Eis-Comic-Muster?
Den Nachmittag lassen wir mit einem Stadtrundgang ausklingen, dabei zeigen sich Gangolfs Touristenführerqualitäten. Abends essen wir dann noch eine etwas laffe Pizza und ich komme zum ersten Mal in den Genuss des Hightspeed-Internets im Hotel. Pro Seite brauche ich im Schnitt 4 Minuten,
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Auf nach Asmara
by clawfish on August 22, 2011 in Allgemein, Eritrea with Keine KommentareHeute ist ein guter Tag, das liegt weniger an der Tatsache, dass ich doch sehr früh aufstehen muss, als vielmehr daran, dass alles recht reibungslos läuft. Die Pass-Abholung verläuft ebenso unproblematisch wie die Fahrt zum Flughafen und der Check-Inn. Wir haben sogar noch fast zwei Stunden Zeit bis wir überhaupt in den Flieger dürfen. Und ich habe einen Fensterplatz. Das bedeutet traumhafte Sicht auf Alpen und Mittelmeer. Jetzt kann ich sagen, Lammcurry schmeckt über der Adria noch mal so gut,
. Dann geht es über Lybien und Ägypten. Sehr interessant, wie der Nil eine grüne Schneise in die sandgelbe Wüste zeichnet. Den Sonnenuntergang erleben wir dann überm Roten Meer. Mit “The Who” im Ohr ein fast romantischer Augenblick. Und dann setzte ich zum ersten Mal Fuß auf arabischen Boden, naja, zumindest fast. Denn der Flieger landet in Jedda zwischen. Die von Gangolf angekündigten Religionswärter lassen sich zwar nirgends blicken, dafür bietet die nächtliche, hell beleuchtete Stadt aus der Luft einen tollen Anblick.
Die Einreise in Asmara verläuft dann auch wieder völlig problemlos und wir sind recht pünktlich: es ist ca. 22.40. Wir müssen aber anmelden wie viel Geld wir mitbringen und was wir an technischen Geräten dabei haben. Beide Quittungen sind sorgfältig aufzuheben, sie müssen bei der Ausreise wieder vorgelegt werden. Das quitschende Gepäckband stellt und schon mal auf eritreische Zeit ein, es spuckt unser Gepäck fast zum Schluss aus, dafür wartet Hagos schon auf uns. Die Fahrt zum Hotel ist recht schnell. Unser Hotel, das Ambassoira (wahlweise auch Ambasoira oder Embasoira, das nimmt hier keiner so genau) ist sehr interessant. Im Landesvergleich hat es etwa 4 Sterne, nach deutschen Maßstab lässt sich das schwer beurteilen. Dazu sind Ausstattung und Inventar zu seltsam,
. Aber die Zimmer sind sauber das reicht für heute. Zudem sind sie recht geräumig, gut dass ich mir mein Bad mit einer Kakerlake teile – vielleicht ist es ja auch eine verkleidete Wanze vom eritreischen Geheimdienst, der Ausländer gerne überwacht,
. Der Abend klingt mit einem Asmara-Bräu aus, einheimisches Bier aus Flaschen ohne Label, schmeckt aber gut.
12.-22.8. Umzug, Visum & Couchsurfing
by clawfish on August 21, 2011 in Allgemein, Eritrea with Keine KommentareSo schnell können sich Pläne ändern. Montagabends hatte ich mich das erste Mal in die Finnland Reiseführer vertieft, um das Interrail-Couchsurfing-Abenteuer mal grob zu planen und Dienstagmittags biete sich die Gelegenheit zur Dienstreise nach Eritrea. Klar sage ich nicht nein, wobei wenn ich gewusst hätte was es für einen Stress mit dem Visum gibt…
Aber der Reihe nach. Wir beantragen mein Visum mittwochs und ich plane den Umzug und die Abschiedsfeier wie gehabt. Alles läuft super, freitags entscheide ich mich, die Reise in den Norden endgültig nach hinten zu schieben und voll auf die Karte Eritrea zu setzten. Neuigkeiten wegen meinem Visum gibt es noch nicht, dafür wird der Abschied zum rauschenden Fest.
Samstags übergebe ich meine Wohnung. Dank vieler netter Menschen, darf ich dann in Marburg Couchsurfing betreiben und lerne die Stadt und einen Teil ihrer Bewohner noch ganz neu kennen (ich glaube ich werde mir im Januar gar keine feste Bleibe suchen, sonder weiter so herum tingeln, ;-0). Außerdem habe ich viel mehr Zeit für Geburtstags- und Hochzeitsbesuche, weitere Abschiedsfeiern und – zumindest theoretisch – für meine Hausarbeit. Dafür nervt die Visaangelegenheit ein wenig, denn ich habe immer noch keinen positiven Bescheid. Zum Hintergrund, um ein Business-Visum zu bekommen, benötigt man eine Einladung aus Eritrea. Diese wird derzeitvom Arbeitsministerium ausgestellt und von einem Protokollbüro an die Botschaft in Berlin gefaxt (diese Regelung kann sich immer mal ändern). Leider lassen sich beide Instanzen ein wenig Zeit, sodass ich fast Blut und Wasser schwitze.
Mittwochs kommt zwar Nachricht aus Eritrea, dass der Einladungsbrief da ist. Aber die Botschaft in Berlin weiß noch nichts, denn der Protokollbeamte lässt sich Zeit.
Freitags habe ich dann endlich die Bestätigung: Ja, das Visum ist im Pass. Jetzt muss der Pass nur noch nach Marburg. Der Kurier verspricht, das gute Stück am Montag bis zwölf anzuliefern, puh am Ende wird alles gut. Naja, aber wir sind noch nicht am Ende. Sonntags fällt Gangolf auf, dass wir nicht nachmittags, sondern bereits um 12.50h fliegen werden. Zu spät für den Kurier. Also gilt es andere Wege suchen. In ein paar hastigen Telefonaten kann ich klären, dass wir den Pass auf dem Weg zum Flughafen abholen können. Sollte es so einfach sein? Wir werden sehen, alles zu seiner Zeit. Jetzt ist die Zeit noch mal schnell was loszuwerden. Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Marburgis (wobei das doch dasselbe ist):
Ke aleboga thatti, merci, shukran, thank you, spasibo, gracias, kiitos, yekeniyeley, tanks man oder einfach DANKE, DASS ES EUCH GIBT.